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Okt.

BUSINESS BRAUCHT VERÄNDERUNG. BUSINESS BRAUCHT HERZ. (2)

gepostet von Ilka Prinz

Gehen Sie doch einmal unter die Haut, anstatt aus der Haut zu fahren!

Viele Organisationen haben schon verstanden, dass sie etwas ändern dürfen, um in Zukunft erfolgreich und attraktiv zu bleiben. Bloß was genau? Sind die Konzepte, die minutiös und oft langwierig entwickelt werden wirklich tiefgreifend und zielführend genug? Oder fehlen im Augenblick noch treffsichere Konzepte? Letzen Endes stehen Sie als Organisation, als Unternehmer, als Führungskraft vor dem Dilemma „den Laden am Laufen zu halten“, neue Aufträge zu generieren oder ein Mehr an Aufträgen mit keinem Mehr an Mitarbeitern abzuarbeiten, Qualität zu sichern, Termine einzuhalten. Und dann sind da noch die Mitarbeiter, die vielleicht mehr und mehr am Limit laufen, da sind Konflikte in der einen Abteilung, in der anderen fehlen zu viele Leute – oft krankheitsbedingt. Da werden Maßnahmen geplant, die nicht ergriffen werden, da sitzt man in Meetings und fragt sich manchmal warum – all das und der ganz normale tägliche Wahnsinn sind Ihr daily business. Das erste, woran in Unternehmen in dann jedoch gespart wird, sind Investitionen in den Menschen – entweder, weil man zu wenig Arbeit hat und sparen will oder weil man zu viel Arbeit hat und keine Zeit investieren will. Und doch bleibt diese leise Frage, die sich festsetzt und immer wieder einmal ihre Stimme erhebt: Wie lange soll das noch so weitergehen? Und diese Frage wird mehr und mehr zu einer Gewissheit: Das kann nicht mehr lange so weitergehen.

Ja, Sie haben recht, so kann es nicht mehr weitergehen. Das Problem ist, dass große Strukturen verändert werden müssen, die sich nun einmal nicht von heute auf morgen verändern und für die es Mut braucht. Schauen Sie sich um und Sie sehen Um- und Aufbrüche in vielen Bereichen der Gesellschaft.

Auf der Maslowschen Bedürfnispyramide sind wir weit oben angekommen. Es geht uns um die Befriedigung von Wachstums- und nicht mehr Defizitbedürfnissen. Heutzutage stehen andere Bedürfnisse im Vordergrund: Individualbedürfnisse – wie Freiheit, Erfolg oder Anerkennung sowie das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung. Bei letzterem geht es darum, das eigene Potenzial auszuschöpfen, darum, das zu tun, was wir lieben, darum, etwas Sinnstiftendes zu tun. Es geht uns aber auch um die Befriedigung sozialer Bedürfnisse. Wir wollen uns zugehörig fühlen – z. B. auch als Teil einer Organisation. Es reicht nicht mehr Arbeitskraft gegen Geld zu tauschen. Natürlich gibt es immer Ausnahmen – aber das würde den Rahmen sprengen…

Wunsch und Realität

Sich diese Dinge zu wünschen, ist die eine Seite. Diese jedoch auch zu leben, die andere. Wenn man 30, 40, 50 Jahre in Systemen großgeworden ist, in denen es nur darum ging sich anzupassen um zu bestehen, dann ist der uns inhärente Wunsch nach Freiheit, Selbstbestimmung und Beteiligung zwar ganz nett – doch wo konnten wir das wirklich lernen? In der Schule? Fehlanzeige. In der Ausbildung? Fehlanzeige. Im Studium? Fehlanzeige. Im Job? Meistens Fehlanzeige. Mit preußischem Gehorsam folgten wir den Anweisungen der uns Übergeordneten. Und die Übergeordneten freuten sich, über ihre Gefolgsleute. Das gab ihnen ein Gefühl von Wichtigkeit, Einfluss, Macht. Wer sich widersetzt hatte, fiel durchs Raster.

Ganz ehrlich. Ist das heute nicht immer noch so? Kinder müssen erzogen werden. Man zieht also an ihnen herum, anstatt sie wachsen zu lassen. Will sie in Form bringen. In der Schule dürfen sie nicht „aus der Reihe tanzen“, damit mal „etwas Anständiges“ aus ihnen wird. Als müssten sie werden und wären nicht heute schon – auch etwas „Anständiges“. Und überhaupt: „ETWAS Anständiges“ – ein Ding eben. Ein Objekt. Ist die deutsche Sprache nicht bemerkenswert ehrlich und klar? So geht das dann weiter. Es geht immer darum, angeblich in eine Form passen zu müssen. Diese Objektisierung des Menschen durchzieht in weiten Teilen das gesamte Arbeitsleben.

Lassen Sie Wunder geschehen

Wir dürfen umdenken. Wir dürfen vertrauen. Wir dürfen leben und nicht nur existieren. Wir dürfen verstehen, dass Leben gelebt und nicht kontrolliert werden will. Erfahrungen machen Sie nicht, wenn Sie Kontrolle ausüben, indem Sie wohlbehütet in Ihrer Lebensbox sitzen, in der Sie meinen sich auszukennen. Leben passiert außerhalb dieser Box. Leben passiert in dem Sie Erfahrungen machen. Lernen passiert, indem Sie Erfahrungen machen. Leben ist Lernen.

Organisationen und auch Führungskräfte, die das begreifen und – jetzt kommt es – auch umsetzen,  schenken ihren Mitarbeitern wahre Wertschätzung, wahres Vertrauen und wirkliche Beteiligung. Sie vermittelen Sinnhaftigkeit und nicht nur die Erwartung einer schnöden Umsetzung von Vorgaben. Solche Organisationen, solche Führungskräfte gehen eher unter die Haut als das sie aus der Haut fahren.

Und dann, sobald Sie unter die Haut gehen, dann könnte das Wunder geschehen und Mitarbeiter fühlen sich tatsächlich gesehen und ernstgenommen. Das wiederum könnte zu dem Wunder führen, dass eben diese Mitarbeiter Begeisterung für ihre Arbeit empfinden. Neue Ideen, Lösungen, ja sogar Erfindungen könnten nur so aus ihnen heraussprudeln. Es könnte ein Wir-Gefühl entstehen. Mitarbeiter würden begeistert von ihrem Unternehmen erzählen und für Sie neue Mitarbeiter „akquirieren“.

Sollten Sie ernsthaft und aus tiefstem Herzen entschlossen sein, mehr Potenzial Ihrer Mitarbeiter freilegen zu wollen, dann müssten Sie Ihren Mitarbeitern unter die Haut gehen und sie somit dazu einladen, neue Erfahrungen machen zu wollen – lernen zu wollen. Das Gehirn lernt am besten, wenn es begeistert ist. Diese neuen Erfahrungen sollten Ihren Mitarbeitern auch unter die Haut gehen. Tiefgreifendes Lernen wird durch tiefgreifende Gefühle erreicht – im besten Fall durch positive. Dann belohnt Sie Ihr Körper mit dem Glückshormon Serotonin, das Begeisterung in Ihnen auslöst. Diese Form der Begeisterung ist stabiler als jede Begeisterung aufgrund einer Gehaltserhöhung oder eines Upgrades für einen Firmenwagen. Es ist die Begeisterung als Folge des tiefen Gefühls von Zugehörigkeit, Selbstbestimmtheit und Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns. Dankbarkeit, Loyalität und Enthusiasmus sind dann Ihre Ernte.

Lernen heißt jedoch auch, Fehler zu machen und Fehler machen zu dürfen. Sind Sie bereit, Ihren Mitarbeitern zuzugestehen, dass sie Fehler machen dürfen? „Aber sicher!“, werden einige jetzt denken. Wirklich? Sind Sie dazu bereit? Was, wenn dieser Fehler teuer ist? Was, wenn er nicht mehr reversibel ist?

Bietet die Struktur Ihrer Organisation den passenden Lern- und Begeisterungsrahmen? Bietet Ihre persönliche Struktur  – z. B. in Form von positiven Glaubenssätzen – den passenden Lern- und Begeisterungsrahmen?

Die Zeit der schönen Worte und der rationalen Begründungen ist vorbei. Um die Haltung Ihrer Mitarbeiter zu verändern, dürfen Sie Ihre Haltung verändern. Sie dürfen unter die Haut gehen. Emotionen erzeugen. Positive. Starke. Wieder und wieder. Sie dürfen Vorbild sein und vorangehen. Mutig. Empathisch. Voller Vertrauen.

Business braucht Veränderung! Business braucht Herz!