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Mrz.

GEFÜHLE IM BUSINESS. LEBEN ODER LASSEN? (3)

gepostet von Ilka Prinz

Im zweiten Teil meines Blogs „Gefühle im Business“ haben Sie erfahren, welche Geschenke Gefühle für uns bereithalten und wie sie, wenn wir bereit sind, dieses Geschenk anzunehmen, uns in unserer Weiterentwicklung fördern können. Im Grunde genommen können Sie sich damit schon die Frage beantworten, ob Gefühle im Business wertvoll sind oder nicht. Die Frage ist nun, wie Sie dieses Wissen und die Entscheidung, besser hinzufühlen für sich nutzen können.

Im dritten und letzten Teil meiner Blog-Reihe stelle ich Ihnen eine Möglichkeit vor, wie Sie das Geschenk und die Energie, die Gefühle beinhalten, für sich und Ihre Persönlichkeitsentwicklung nutzen können.

Teil 3: Wie Sie die Energie der Gefühle für Ihre Weiterentwicklung nutzen können

Damit Sie das Potenzial der Gefühle für Ihre Weiterentwicklung nutzen können, ist es wichtig, den Ursprung von Gefühlen zu erkennen. Jedes Gefühl entsteht – wie Sie im zweiten Teil gelesen haben – aufgrund einer ganz besonderen Situation. Angst z. B. durch eine vorhandene oder befürchtete Gefahr. Es ist an der Zeit noch eine Ursprungs-Ebene tiefer zu schauen, denn alle Gefühle entstehen auf einer gemeinsamen Ebene. Diese Ebene bildet sowohl den Hebel für Ihre persönliche Weiterentwicklung als auch den Ansatzpunkt für Führungskräfte, die einen Mehrwert innerhalb der Mitarbeiterentwicklung schaffen wollen. Worum handelt es sich? Es geht um unsere, um Ihre Gedanken.

Gedanken lenken Gefühle

William Shakespeare soll einmal gesagt haben: „An sich ist nichts weder gut noch böse. Das Denken macht es erst dazu.“ Dieser Satz trifft es genau und zeigt den Ursprung unserer Gefühle. Jedes Gefühl entsteht aufgrund eines Gedanken. Möchten Sie Ihre Gefühle lenken, lernen Sie Ihre Gedanken zu lenken.

Sie denken am Tag ca. 60.000 bis 70.000 Gedanken. Jeder Gedanke löst eine chemische Reaktion in Ihrem Gehirn aus. Botenstoffe werden ausgeschüttet. Ein bestimmter Botenstoff löst ein ganz bestimmtes Gefühl aus. Auf der Basis dieses bestimmten Gefühls entstehen wiederum bestimmte Gedanken. So entsteht ein Kreislauf.

Dieser ganze Prozess dauert nur einige Millisekunden. Deshalb ist es meistens so, dass Sie den Ursprungsgedanken – also der, der alles weitere ins Rollen bringt – gar nicht wahrnehmen. So entsteht oft das Gefühl, von seinen Gefühlen überrannt zu werden. Dies wiederum heißt nichts anderes, als Opfer seiner eigenen Gefühle zu sein – nichts dagegen tun zu können. Da liegt es nahe, den vermeintlich einzigen Weg zu wählen. Den Weg, den die meisten seit Jahren kennen – Gefühle zu unterdrücken. So haben diejenigen wenigstens das Gefühl, etwas tun zu können. Das dies kein sehr förderlicher und auf Dauer ein entwicklungshemmender Weg ist, dürfte nach den letzten beiden Blogartikeln einleuchtend sein. Wir alle sind auch Gefühle und diese zu negieren, heißt einen Teil von sich selbst zu negieren.

Da unser Gehirn in Bildern (und nicht in Zahlen!!!!!) denkt, machen schlechte Bilder schlechte Gedanken und somit schlechte Gefühle. Andersherum machen schöne Bilder schöne Gedanken und somit schöne Gefühle. Hier geht es in keiner Weise darum, nun alles durch die rosarote Brille zu sehen. Es geht auch nicht darum, sich schön vorzustellen, wie man im freien Fall aus 50 Meter locker und leichtfedernd am Boden aufkommt und einem der Applaus des Publikums entgegenschallt. Das wäre einfach nur blöd. Nein, es geht einfach darum zu erkennen, welche Bilder Sie in bestimmten Situationen im Kopf haben, die dann durch einen Gedanken einen Botenstoff auf die Reise schicken, um ein bestimmtes Gefühl entstehen zu lassen.

Gehen Sie auf Spurensuche

Jetzt können Sie sagen, dass Sie weder Bilder sehen, noch Ihren ersten Gedanken erkennen. Ja, wir denken so schnell – irgendwie müssen wir ja während unserer Wachzeit auf 70.000 Gedanken kommen – dass wir am Ende nur das Gefühl mitbekommen. Und selbst hier sind manche Menschen Meister im Gefühle-Nicht-Mitkriegen-Wollen. Sollten Sie zu den Glücklichen gehören, die ihr Gefühl tatsächlich schon wahrnehmen, so können Sie dieses Geschenk als Ausgangspunkt nehmen, um den Weg zurückzugehen zu Ihrem Ursprungsgedanken und zu Ihrem Ursprungs-Bild im Kopf.

Was können Sie tun? Sie nehmen ein bestimmtes Gefühl wahr. Dies geschieht über körperliche Reaktionen. Sie dürfen also wachsam sein. Menschen mit einem guten Körpergefühl fällt dies leichter. Dann fragen Sie sich: „Was habe ich gerade gedacht, das dieses Gefühl ausgelöst hat?“ Für Fortgeschrittene: „Welches Bild hatte ich gerade im Kopf?“ Diese Gedanken haben oft die Form von Befürchtungen, Bewertungen, alten Erinnerungen. Es kann sich aber auch um wichtige Werte handeln, die in diesem Augenblick von anderen verletzt oder selbst nicht gelebt wurden. Fragen Sie sich dann, welches Gefühl Sie fühlen möchten und welchen Gedanken (welches Bild) es dazu von Ihrer Seite braucht. Spüren Sie z. B. Aufregung vor einer Rede, dann signalisiert Ihnen dies Ihr Körper. Fragen Sie sich, welche Befürchtungen (Bilder) diese Aufregung auslösen. Sie könnten z. B. Angst haben, ins Stocken zu kommen oder Ihr Publikum zu langweilen oder auf eventuelle Fragen keine Antwort zu wissen. Diesen Befürchtungen gehen Bilder voraus – z. B. sehen Sie sich, wie Sie schwitzend vor einem süffisant lächelnden Publikum stehen. Sie hören sich stammeln und das Publikum tuscheln. Dass so ein Film im Kopf Befürchtungen und Aufregung auslöst, ist logisch. Und doch ist alles irreal – nicht aber für Ihr Gehirn. Fragen Sie sich also: Welches Ergebnis möchte ich haben?/Was ist mein Ziel? Wie sieht es genau aus? Wie will ich mich nach dem Vortrag fühlen und vor allem, wie soll sich mein Publikum fühlen? Was möchte ich hören? Vielleicht möchten Sie in zufriedene, freundlich lächelnde Gesichter schauen. Auf Menschen die bestätigend nicken, gebannt zuhören und Ihnen schallenden Applaus schenken.

Dieses Beispiel kann auf alle möglichen Situationen übertragen werden. Welchen Gedanken möchten Sie denken und wie möchten Sie sich fühlen? Sie werden sehen, dass dies direkten Einfluss auf Ihr Tun hat. Denn mit Ihren Gedanken und Gefühlen lenken Sie 1:1 Ihr Tun.

Mir liegt noch ein ganz wichtiger Punkt am Herzen. Dieser Weg ist nur ein Weg für Menschen, die die Verantwortung für sich und ihr Leben übernehmen möchten. Mit diesem Weg laufen sämtlich Formen von Schuldzuweisungen, wie „Wie konntest du mir das antun!“, „Sie bringen mich auf die Palme!“ oder „Das macht mich krank!“, ins Leere. Warum? Sie haben Ihre Gedanken und damit Ihre Gefühle und damit Ihre Reaktionen auf alle und alles selbst in der Hand. SIE entscheiden darüber!

Als Führungskraft ist es wichtig zu verstehen, was Ihr Mitarbeiter gerade braucht. So wie ich es bei der Vorstellung der 5 Gefühle im zweiten Teil aufgeführt habe. Sie dürfen also einen geschützten Raum anbieten. Ob Ihr Mitarbeiter diesen jedoch annimmt, liegt in seiner Verantwortung. Erst dann können Sie gemeinsam oder Ihr Mitarbeiter allein auf „Spurensuche“ nach den auslösenden Gedanken gehen. Nur in der Entspannung finden wir eine nachhaltige Lösung. Im Stress geht es ganz archaisch ums Überleben.

Nehmen Sie Ihre Gefühle an. Es ist an der Zeit, Ratio und Emotio in jedem von uns zu integrieren. Nur so können wir ganz sein. Nur so können wir uns erfolgreich ent-wickeln. Nur so können wir unser Potenzial leben, erfolgreich sein, bei dem was wir tun, herzlich sein mit unseren Mitmenschen. Nur so können wir diese Welt lebenswerter, friedlicher und heiler machen.