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08
Dez.

WIE SIE IHRE ANGST ÜBERWINDEN

gepostet von Ilka Prinz

Angst überwinden

Das Thema Angst stand in den letzten Wochen oft im Mittelpunkt meiner Coachings und privaten Gespräche. Deshalb habe ich mich entschieden, mich im heutigen Blog dem Umgang mit Ängsten oder Befürchtungen zu widmen. Ich glaube, uns ist gar nicht bewusst, wie sehr Angst in unserer Gesellschaft verbreitet ist. Dabei meine ich nicht nur „klassische“ Phobien wie Flug- oder Spinnenangst.

Gestern habe ich mit einer Freundin gesprochen. Sie erzählte mir, dass es in ihrer Firma eine Führungskraft gäbe, die sehr respektlos und beleidigend mit ihren Mitarbeitern umgehen würde. Dies sei so schlimm, dass es bereits zu Krankheitsfällen gekommen sei. Nur würde niemand im Team etwas unternehmen – aus Angst vor den Konsequenzen. Die Befürchtung sei, niemand würde ihnen glauben und die Respektlosigkeit der Führungskraft gegenüber dem Team würde zunehmen. Auch andere Führungskräfte wüssten von diesem Umgang. Doch niemand mache den ersten Schritt.

Wenn ich also heute den Umgang mit Angst in den Mittelpunkt meines Blogartikels stelle, dann, weil mich diese Geschichte sehr betroffen gemacht hat. Angst ist ein Phänomen, das generationen- und geschlechterübergreifend und von mannigfaltiger Couleur ist. Die Angst, den Schulabschluss nicht zu schaffen, die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, die Angst, sich lächerlich zu machen, die Angst, bestimmten Aufgaben nicht gewachsen zu sein, die Angst vor dem Alleinsein usw.

Es gibt Menschen, die bleiben genau deshalb in ihrer unbefriedigenden Situation haften – in einem Job, der sie zermürbt, in einer Partnerschaft, die schon lange keine mehr ist, in einer Situation, die sie krankzumachen droht.

Wieviel „Schmerz“ können manche Menschen ertragen, bevor sie eine Situation verändern, die schon lange nach einer Veränderung schreit?

Wie viel schöner, leichter, fröhlicher könnte das Leben dieser Menschen sein, wenn sie sich trauen würden, für ihre Wünsche, Ziele und Bedürfnisse einzustehen?

Die Krux an der Sache ist, dass viele gar keine konkrete Idee von ihren Wünschen, Zielen oder Bedürfnissen haben. Die meisten wissen zwar, was sie nicht mehr wollen, haben aber keine oder nur eine schwammige Vorstellung von dem, was sie wollen.

Was passiert, damit Angst entsteht?

Vor dem Gefühl der Angst muss es eine gedachte Idee, ein Bild im Kopf, geben. Da die meisten von uns sehr schnell denken, wird dieses Bild nicht bewusst wahrgenommen. Das Gefühl der Angst kann jedoch nicht ohne dieses Bild im Kopf entstehen.

Ich mache es konkreter:

Das Team, von dem ich geschrieben habe, malt sich in seinem Kopf eine schlechte Situation aus, wenn es diese Führungskraft zur Verantwortung ziehen würde. Es entsteht ein Film im Kopf, der weder lustig ist noch ein erfolgreiches, gewünschtes Ende hat. Dieser Film erzeugt das Gefühl Angst, denn er veranlasst das Gehirn, dafür zu sorgen, Stresshormone auszuschütten, die Angst entstehen lassen.

Eine Möglichkeit zu handeln, wenn man Angst hat, ist zu fliehen – was auch heißt: nichts zu tun und in die Starre gehen. Starre ist die Flucht nach innen. Das Ergebnis ist: Das Team unternimmt nichts und erfüllt somit seine Bedürfnisse nicht. Die Situation wird ausgehalten – frei nach: „Was wir haben, wissen wir (und wir wissen, wie wir damit umgehen müssen – auch wenn es uns schmerzt und krank macht). Aber wir befürchten, etwas zu bekommen, was wir nicht haben wollen, obwohl wir gar nicht wissen, ob es so kommt, wie wir es befürchten.“

Welchen Film haben Sie im Kopf, bevor Sie Angst haben oder etwas befürchten?

Was Sie verstehen und verinnerlichen dürfen, ist, dass diese Gedanken nur Gedanken sind und nicht die Realität. Nur für Ihr Gehirn sind diese Gedanken (leider) wahr, denn es kann nicht zwischen Imagination und Realität unterscheiden. Das, was Sie denken, hält Ihr Gehirn für wahr und unternimmt, was es eben unternimmt. Sobald Sie lernen, Ihre Gedanken bewusst zu steuern, nehmen Sie das Ruder Ihres Lebens in die Hand. Ihre Gedanken „ploppen“ nicht einfach aus dem Nichts hoch. SIE denken Ihre Gedanken – nur in den meisten Fällen denken Sie leider unbewusst.

Mit welchen Gedanken füttern Sie Ihr Gehirn?

Wenn also Ihre Gedanken über ein zukünftiges Ereignis nicht der Realität entsprechen und Ihr Gedanken-Film und dessen Ergebnis in Ihnen Angst oder Befürchtungen erzeugen, dann könnten Sie sich doch einfach schöne Gedanken machen, einen schönen Film „drehen“ und schöne Gefühle fühlen. Oder ist das zu vermessen, zu rosarot, zu naiv oder zu schön?

Ja, manchmal höre ich, dass es naiv ist und eine Verklärung der Tatsachen. Zum einen frage ich mich dann: „Welche Tatsachen? Es gibt doch noch gar keine…“. Zum anderen könnte ich – wenn ich das wollte – es im Gegenteil einfach nur als unklug bezeichnen, sich über „ungelegte Eier“ schlechte Gedanken und unangenehme Gefühle zu machen. Oder?

Und hier kommen wir wieder zu der Krux vom Anfang: Wenn Sie sich angenehme Gedanken und Gefühle machen wollen, dann dürfen Sie natürlich ein anderes Ergebnis Ihres beabsichtigten Tuns vorstellen. Das wiederum heißt, Sie dürfen wissen, was Sie wollen…und nicht, was Sie nicht wollen.

Was ist also eine mögliche und sehr wirksame Vorgehensweise, wenn Sie mit einer Situation nicht zufrieden sind und diese (wirklich, wirklich, wirklich) ändern wollen?

Verfahren Sie wie folgt:

  • Entspannen Sie sich.
  • Fragen Sie sich, wie das Ergebnis sein soll, das Sie erreichen möchten.
  • Drehen Sie damit einen Film vor Ihrem geistigen Auge: 3D und Sie mitten drin, groß, bunt, schön.
  • Legen Sie Ihnen angenehme Geräusche, Stimmen, Gesprächsabläufe dazu.
  • Machen Sie das entstandene positive Gefühl in Ihrem Körper noch größer/intensiver.
  • Bereichern Sie diesen Film – immer im Rahmen Ihrer Möglichkeiten – mit einem Geruch und einem Geschmack.
  • Wiederholen Sie dieses Prozedere so oft wie möglich und entwickeln Sie dabei immer mehr Details.

So werden Sie offen sein für Lösungen, werden Möglichkeiten sehen, die Sie vorher nicht gesehen haben, werden flexibler im Denken und entspannter. Dann haben Ihre Angst oder Ihre Befürchtungen keinen Platz mehr und Sie kommen mehr und mehr in Ihre Kraft – werden Autor, Regisseur und Akteur Ihres Lebens.

Und noch etwas möchte ich Ihnen mit auf den Weg geben. Das Gefühl Angst zeigt uns sehr oft, dass wir an der Grenze unserer Komfortzone angekommen sind. Mit deren Überschreiten geben wir uns die Chance, uns weiterzuentwickeln. Denken Sie mal darüber nach:

Wo die Angst ist, geht der Weg lang.