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14
Nov.

Außer der Reihe

gepostet von Ilka Prinz

Dieser Blogartikel ist ein Artikel außer der Reihe. Er gibt Einblick in meine andere große Passion, neben meinem Beruf – Frankreich. Aus gegebenem Anlass widme ich ihn all denen, die im November letzten Jahres bei dem Anschlag in Paris gestorben sind, verletzt wurden oder einen lieben Menschen verloren haben.

Ich habe diese kleine Geschichte vor ein paar Jahren nach meiner Rückkehr von einem Wochenende in Paris geschrieben und bin froh, dass ich sie aufgehoben habe. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen!

Paris – mon amour

Ich sitze hier in meinem Büro. Draußen scheint die Sonne, es ist heiß und alles fühlt sich nach Sommer und Urlaub an. Meine Motivation zu arbeiten nähert sich dem Siedepunkt, um gleich endgültig zu verdampfen.

Ich lehne mich zurück und meine Gedanken fangen an, auf Wanderschaft zu gehen. Der Autolärm draußen verschmilzt mit den Stimmen der Fußgänger. Mein Schreibtisch wird kleiner, ist nicht mehr eckig, sondern rund und ich finde mich  in einem Café wieder. Vor mir steht ein Glas mit kühlem Rosé. Leute laufen an mir vorbei, manche mit einem Baguette unter dem Arm. Ich sitz unter einer Markise, es ist warm aber schattig.

Ich bin in Paris. Paris – die Stadt der Kunst und Kultur, der Haute Couture. Paris, eine Stadt voll von Geschichte und voller Geschichten. Paris – die Stadt der Liebe und die Stadt, die ich liebe. Ich bin ganz hier. Die Hektik der Metropole ist hier weicher, der Lärm sanfter.

Wenn man davon sprechen kann, sein Herz an eine Stadt zu verlieren, so habe ich meines an Paris verloren. Was gibt es Schöneres als auf der Treppe vor Sacre Coeur zu sitzen und das Panorama zu genießen? Was gibt es Interessanteres als die Sehenswürdigkeiten in sich aufzusaugen? Was gibt es Gemütlicheres, als bei einem Café Crème und einen Croissant in einem der vielen kleinen Cafés zu sitzen und das bunte Treiben zu beobachten? Welche Sprache kann dem Ohr so schmeicheln wie die französische?

Wenn ich in Paris bin, dann fühle ich mich so leicht, so unbeschwert, so glücklich wie in keiner anderen Stadt. Ich weiß nicht woran das liegt, aber ich fühle mich angekommen, zu Hause.

Ich schlendere durch die Straßen, flaniere auf den Boulevards. Mit einem Eis von Berthillon in der Hand spaziere ich über die Ile Saint Louis Richtung Ile de la Cité. In der Kirche Notre Dame zünde ich eine Kerze für meine Lieben an und lasse mich treiben über eine der vielen Brücken – zusammen mit vielen anderen – in Richtung Louvre. Ich gehe aber nicht rein. Heute nicht. Heute will ich nur draußen sein, laufen, schauen, riechen, schmecken. Durch den Jardin des Tuileries, in dem schon Katharina von Medici und Ludwig  XIV wandelten, gelange ich zur Place de la Concorde, die mich direkt auf die Champs Elysées bringt.

Autos rauschen an mir vorbei und das Sprachengewirr lässt vor meinen Augen ein  buntes Wollknäuel entstehen. Über viele kleine Sträßchen abseits des großen Prachtboulevards gelange ich schließlich an den Triumphbogen – einem der vielen Denkmäler und neben dem Eifelturm das Wahrzeichen von Paris. Mitten drin weht die Tricolore – bleu, blanc, rouge – blau, weiß, rot.

Langsam wird es dunkel. Die schönste Zeit für den Eifelturm. Eine Zeit abzuwarten, zu der an den Klassen keine Schlangen stehen, ist sinnlos. Also stelle ich mich an die kürzeste – und sportlichste. Hier heißt es Treppensteigen bis zur zweiten Plattform. Erst dann führt der Lift nach oben bis fast unter die Spitze. Schon beim Laufen genieße ich den Blick, der sich mir bietet. Ich steige höher und immer höher und die Stadt liegt mir mehr und mehr zu Füßen. Ich lasse sie es jedoch nicht spüren und betrachte sie mit tiefster Bewunderung. Oben angekommen bietet sich mir ein atemberaubender Blick. Trotz der Dämmerung kann ich noch klar und weit sehen. Die ersten Lichter gehen an und schmücken die Stadt einmal mehr. 276 Meter über Paris genieße ich das 360º Panorama und verliere mich in dieser grandiosen Aussicht.

Langsam wird es Zeit zu gehen. Ich fahre meinen Computer runter, räume meinen Schreibtisch auf und starte seelig in meinen Feierabend.